Im Gespräch mit Prof. Dr. Hajo Funke über die „Staatsaffäre NSU“

Dr. Volkmar Schöneburg im Gespräch mit Prof. Dr. Hajo Funke

Dr. Volkmar Schöneburg (links) im Gespräch mit Prof. Dr. Hajo Funke (rechts)

Auf Einladung des kommunalpolitischen Forums sprach ich dem Politikwissenschaftler Professor Dr. Hajo Funke am 15. November über die Ursachen der NSU Mordserie sowie den Versäumnissen. Zum NSU-Komplex veröffentliche Professor Dr. Hajo Funke ein Buch mit dem Titel „Staatsaffäre NSU – eine offene Untersuchung“.

Wichtige Erkenntnisse des Gespräches auf der kleinen Bühne des Eisenhüttenstädter Theaters waren:

  1. Keineswegs handelte es sich bei den drei Terroristen um ein allein agierendes und miteinander ideologisch verflochtenes Trio. Das rechtsradikale Mordtrio war viel mehr eingebettet in heute noch zum Teil existierende Neonazistrukturen.
  2. Es ist ein Versagen aller Sicherheitsorgane (Verfassungsschutz, Polizei und Justiz) bei der Verfolgung und Aufklärung der zehn Morde zu konstatieren. Es ist eine Legende, dass dieses Versagen auf Pannen, Schlampereien oder schlichter Inkompetenz beruhte. „Dem Agieren des Verfassungsschutzes lag ein völlig fehlerhaftes Konzept – insbesondere den Einsatz der V-Leute betreffend – zugrunde.“, sagte Schöneburg. Die Polizei war zum Teil geleitet von einem institutionalisierten Rassismus. Deshalb schrieben sie einen Teil der Mordtaten der Türkenmaffia zu und ermittelten in völlig falsche Richtungen.
  3. Insbesondere die Fehlleistungen des Verfassungsschutzes sind auch auf eine unzureichende Kontrolle der Dienste zurückzuführen. Von daher muss die Aufklärung der Mordserie auch eine Umstrukturierung der Geheimdienste und eine wirkliche parlamentarische und öffentliche Kontrolle nach sich ziehen.

Das gesamte Gespräch mit Prof. Dr. Hajo Funke kann folgend nachgehört werden:

(MP3 runterladen)

Vielen Dank für den Live-Mitschnitt und die Veröffentlichung an Radio Slubfurt.